Artist Talk: Anna Ehrenstein im Gespräch mit Ariana Dongus
Über die Infrastrukturen von KI und den Arbeitsbedingungen, auf denen sie basieren
Bildquelle: Anna Ehrenstein © Fotografiska Berlin / Ariana Dongus © Bahar Kaygusuz
Wie viel menschliche Arbeit steckt in „künstlicher“ Intelligenz? Die Künstlerin Anna Ehrenstein und die KI-Forscherin Ariana Dongus gehen dieser Frage im Gespräch nach.
Die Diskussion baut auf Ehrensteins Ausstellung The Language of the Soil auf, die die Infrastrukturen von KI sowie die Arbeitsbedingungen, auf denen sie beruhen, untersucht. Das Projekt basiert auf konstanter Forschung und Kooperationen mit digitalen Arbeiter*innen und Praktiker*innen, darunter Richard Mathenge, Mophat Okinyi und Fasica Berhane, sowie weiteren Beteiligten in Nairobi und Kairo.
Anstatt KI als autonom oder immateriell darzustellen, verortet das Gespräch KI-Systeme in bestehenden Arbeitsnetzwerken, kolonialen Geschichten, extraktiven Prozessen und der globalen Plattformökonomie. Ehrenstein und Dongus reflektieren zudem Fragen der Autor*innenschaft, die politischen Dimensionen von KI und wie künstlerische Praxis diese Strukturen aufgreifen und herausfordern kann.
Die Autorin und Forscherin Yaniya Lee moderiert das Gespräch.
ÜBER DIE MODERATORIN
Yaniya Lee ist Autorin, Forscherin und Lehrerin, deren Arbeit auf Befreiungsnarrativen basiert, um neue Methoden für Kunstgeschichte, Kritik und Archivpraxis zu entwickeln. Zu ihren jüngsten Projekten zählen die Publikationen Buseje Bailey: Reasons Why We Have to Disappear Every Once in a While, A Black Art History Project (Artexte, 2024) sowie Selected Writing on Black Canadian Art (figure ground/Art Metropole, 2024), eine Sammlung ihrer Texte. Darüber hinaus kuratierte sie das Kurzfilmprogramm Image War on Reality für die MOMENTA Biennale und entwickelte die Black Canadian Art History Scholarship Database (blackartstudy.ca), einen durchsuchbaren Katalog von Abschlussarbeiten zur Schwarzen Kunst in Kanada.
ÜBER DIE SPEAKERINNEN
Anna Ehrenstein
Anna Ehrenstein (*1993) arbeitet transdisziplinär als Künstlerin mit Schwerpunkten in Forschung, Lehre und kollaborativen Projekten. Ihre Praxis umfasst Assemblage, lensbasierte Medien, Installationen, soziale Interaktionen sowie Textarbeiten. Sie studierte Medienkunst, Fotografie und Kuration und ist seit 2024 Professorin für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Zuvor lehrte sie unter anderem am Bard College, an der Technischen Universität Berlin, an der Universität der Künste Berlin, an der Stellenbosch Academy in Südafrika sowie bei Photopia Cairo in Ägypten.
In ihrer Arbeit untersucht Ehrenstein materielle Kulturen der Peripherie, vernetzte Bilder und digitale Ökologien im Kontext globaler Verflechtungen und Prosumption. Ihre Werke werden international gezeigt, darunter in Einzelausstellungen im Musée d’art de Joliette (Kanada) und am Goethe-Institut New York sowie im Rahmen der Lagos Biennale und der Ural Biennale. Arbeiten von ihr befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter im Museum of Modern Art in Warschau, in der Bundeskunstsammlung und im Fotomuseum Winterthur. 2020 wurde sie mit dem C/O Berlin Talent Award ausgezeichnet und war unter anderem für den Prix Pictet nominiert.
Ariana Dongus
Ariana Dongus ist Medienwissenschaftlerin, Dozentin und Forscherin mit Schwerpunkt kritische Medien, mit Sitz in Berlin. Ihre Forschung führte sie nach Istanbul, Diyarbekir im Südosten der Türkei sowie in den Nordirak und beschäftigt sich mit Themen wie Flucht, Migration und Technologie. Von 2018 bis 2022 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG), wo sie Medientheorie lehrte und die Forschungsgruppe KIM koordinierte, die sich mit kritischen Studien zu Künstlicher Intelligenz befasst. 2021 erhielt sie den AI Newcomer Award, verliehen von der Gesellschaft für Informatik und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.