Bruce Gilden
Why These?

Bruce Gildens Fotos schmeicheln nicht. Sie konfrontieren. Sein Blitzlicht fängt Blicke ein. Gesichter, die wir nicht mehr vergessen. Außenseiter und Übersehene, die er nicht nur fotografiert, sondern in ihrer Menschlichkeit sieht. Der Name der Ausstellung Why These? fragt nicht nur nach dem Werk des Fotografens. Er ist auch als Frage an uns gestellt. Warum sind uns diese Bilder unangenehm? Warum versuchen wir den Blicken auszuweichen und können trotzdem nicht wegschauen?
Why These? zeigt 41 Fotografien, die Bruce Gilden selbst ausgewählt hat. Ikonische Aufnahmen aus Coney Island, Haiti, New York und Tokyo nehmen dich auf eine fotografische Reise durch die wichtigsten Projekte seiner ersten Schaffensphase. Weitere großformatige Drucke zeigen seinen radikalen Wechsel zu digitaler Farbfotografie ab 2013; eine Entscheidung, die seinen kompromisslosen Stil um eine zeitgenössische Facette ergänzt.


Bruce Gilden wuchs in Brooklyn, New York, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Als Kind verbrachte er Stunden damit die „harten Kerle“ auf den Straßen unter dem Apartment zu beobachten. Das prägte seine lebenslange Faszination für die „Charaktere“, die er später fotografieren würde. 1968 kaufte er seine erste Kamera – eine Miranda – und brachte sich selbst bei mit ihr zu fotografieren. Seine Fotos zeigen das raue Gesicht der Straße: Alltagsroutinen, flüchtige Begegnungen, Gänge zu den sogenannten Corner Stores. Seine Linse fängt nicht nur Momente ein. Durch sie hindurch spürst du die Anspannung, riechst du den Zigarettenrauch, siehst du die ungeschönte Wirklichkeit.
,,Seit ich fotografiere verfolge ich Robert Capas Motto: ‚Wenn das Foto nicht gut genug ist, warst du nicht nah genug dran.‘ Ein gutes Straßenfoto muss nach Straße riechen."
Bruce Gilden, seit 1998 Mitglied der legendären Fotoagentur Magnum, ist mit seiner Kamera die Straßen von unzähligen Städten weltweit abgelaufen. Seine Bilder – oft mit Blitzlicht – sind roh und authentisch. Merklich liegen ihm die Menschen am Herzen. Seine direkte Herangehensweise hat ihn an Orte und zu Personen gebracht, die die meisten nie zu Gesicht bekommen. Viele seiner Porträtierten vertrauen ihm und lassen sich von ihm fotografieren. Von New York bis Tokio und Mexiko-Stadt hat er Gang-Mitglieder, Obdachlose, Sexarbeiter*innen und andere Menschen am Rand der Gesellschaft fotografisch festgehalten. Seine Fähigkeit, in diese Welten einzutauchen, kommt aus seiner eigenen Kindheit in Brooklyn. Wie seine Subjekte hat auch er „die Straße erlebt“.
CREDITS
Diese Ausstellung hat Jessica Jarl, Global Director of Exhibitions bei Fotografiska, in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler kuratiert. Ko-Kuratorin ist Marie-Luise Mayer, Exhibitions Manager bei Fotografiska Berlin.
ÜBER DEN KÜNSTLER
Bruce Gilden ist ein visueller Künstler, der die Welt mit den Augen eines Poeten sieht und Schönheit in Szenen und Motiven entdeckt, die andere vielleicht verunsichernd, riskant oder sogar abstoßend finden. Aktiv sucht er Konfrontationen und Charaktere, die seiner Vision entsprechen – Gesichter, die mehr offenbaren als sie verbergen und von Trauer, Freude, Hunger und Verlust zeugen. Landkarten vieler unterschiedlicher Leben, die mit jedem Leid, jedem Exzess und entlang des eigenen Verfalls entstanden sind.
Seit fünf Jahrzehnten bewegt sich Gilden durch die Straßen unzähliger Städte, seit 1998 als zertifizierter Magnum-Fotograf. Mit 77 Jahren beschäftigen Bruce Gilden die physischen Herausforderungen seines Berufs und seine eigene Vergänglichkeit. Wie wenige andere kann er auf einen großen Fundus fotografischen Wissens zurückblicken.