Lauren Greenfield
Social Studies

„Social Media ist unser Rettungsanker, aber auch eine geladene Waffe.“ – Jonathan, 18
„Auf Twitter sind viele alte Männer unterwegs, die nach Pics von Füßen suchen.“ – Ivy, 17
„Ich bin eine dicke POC. Das macht mich zu einem leichten Ziel für Cybermobber.” – Dominic, 17
Das sind nicht nur Zitate. Diese Aussagen spiegeln die Lebensrealitäten von drei der 30 Jugendlichen aus Los Angeles, die Lauren Greenfield ihre Handys für ein radikales Experiment zur Verfügung stellten. Dieses dokumentiert den Einfluss von sozialen Medien auf ihr Leben. Über 150 Drehtage und mehr als 2.000 Stunden ungefilterte Screen-Recordings gaben Greenfield einen authentischen Einblick in das reale und digitale Leben ihrer Protagonist*innen: Feeds, Chat-Nachrichten, Fotos und Posts, die ihre Eltern nie zu Gesicht bekommen haben. Das Ergebnis: Social Studies. Die Ausstellung eröffnet am 25. September bei Fotografiska Berlin.
Social Studies ist Lauren Greenfields neueste und bisher umfassendste Untersuchung darüber, wie Medien und Popkultur das Erwachsenwerden verändern. Es ist die erste Arbeit, die direkt aus dem Handy heraus entstanden ist.
„Soziale Medien verstärken viele Trends, die ich bereits in meinen Projekten über die US-amerikanische Jugend dokumentiert habe.“
Ihre früheren Werke wie Fast Forward (1997), Girl Culture (2002) und THIN (2006) entstanden noch bevor es Smartphones gab. Damals prägten Kameras, ständige Vergleiche und Konsumkultur die junge Generation und das lange bevor es Instagram gab.

Die Ausstellung ist aktueller denn je. Ganz Europa debattiert über strengere Regeln für soziale Medien besonders für Jugendliche. Frankreich hat bereits Altersbeschränkungen eingeführt, und in Deutschland stehen ähnliche Maßnahmen im Raum. Die Ausstellung ist aber kein politisches Statement. Sie zeigt ein ungeschöntes Porträt einer Generation – erzählt in ihrer Sprache.
Ursprünglich als fünfteilige Dokumentation auf FX und Disney+ veröffentlicht, wird Social Studies jetzt zu einer begehbaren Ausstellung. Auf 5.000 Quadratmetern macht Greenfield sichtbar, was sonst auf kleinen Screens verborgen bleibt. Sie verlangsamt das endlose Scrollen und macht dadurch das kollektive Erleben der heutigen Jugend fassbar.
Durch Fotos, Installationen und immersive Räume zeigt die Ausstellung, wie soziale Medien die Identität prägen. Riesige Fotowände, die private Posts in eine öffentliche Diskussion verwandeln: Hunderte Schnappschüsse, virale Schönheitstrends und emotionale Selfies. Sie handeln von Mobbing, Schönheitsidealen, Neid, Rassismus, Sexualität und prägenden Entscheidungen im Teenageralter. Ein Screening-Raum, in dem alle fünf Folgen der Dokumentation Social Studies in voller Länge gezeigt werden. Hier können Besucher*innen die Jugendlichen kennenlernen, die die Ausstellung möglich machen.

Mehr als eine Ausstellung
Social Studies ist mehr als eine Ausstellung. Gemeinsam mit dem Education Innovation Lab und dem Adenauer Campus trägt Fotografiska Berlin die Themen in die Gesellschaft und schafft einen Diskursraum – mit Fokus auf Dialog, Partizipation und nachhaltige Wirkung für Berlin und über die Stadtgrenzen hinaus.
Im Mittelpunkt stehen Workshops mit Berliner Jugendlichen, deren Ergebnisse in Lehrmaterial für Schulen zum gesunden Umgang mit sozialen Medien einfließen. Dieses wurde aus der Perspektive der Generation entwickelt, die am stärksten von den negativen Folgen von sozialen Medien betroffen ist. Das Material gibt Lehrkräften praktische Werkzeuge, um im Unterricht über Chancen und Risiken digitaler Plattformen zu sprechen. Es wird auf der Plattform Digital Sparks zur Ausstellungseröffnung veröffentlicht und auf einer Lehrerkonferenz im Herbst 2026 mit dem Berliner Senat vorgestellt.
Da die Ausstellung besonders junge Menschen anspricht, bietet Fotografiska Berlin kostenlosen Eintritt für Schulklassen an. Lehrer können sich hier für eine Führung anmelden.
Ein umfangreiches Begleitprogramm bringt Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte, Politiker*innen, Künstler*innen und Kulturvertreter*innen digital sowie physisch zusammen. Neben dem Austausch von Perspektiven suchen wir gemeinsam nach Lösungen für eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Entwickelt mit einem Netzwerk von Partnern – darunter FAQ YOU als Health Impact Partner – geht die Diskussion über das Museum hinaus. Communities werden vernetzt und Räume für Austausch, kritische Reflexion und Wandel geschaffen.

Über die Künstlerin
Lauren Greenfield studierte visuelle Anthropologie an der Harvard-Universität und hat drei Jahrzehnte lang die amerikanische Konsumkultur, Jugend und Geschlechterrollen durch Fotografie, Dokumentarfilme und Werbung dokumentiert. Die New York Times nannte sie „Amerikas bedeutendste visuelle Chronistin der Plutokratie“.
Zu ihren sechs Dokumentarfilme gehören unter anderem THIN (2006, HBO), The Queen of Versailles (Sundance-Regiepreis, U.S. Documentary, 2012), Generation Wealth (Sundance-Premiere, Amazon Studios, 2018), The Kingmaker (Filmfestspiele Venedig, Showtime, 2019) und die fünfteilige Serie Social Studies (FX / Disney+, 2024). Folgende Fotobücher hat sie veröffentlicht: Fast Forward (Knopf, 1997), Girl Culture (Chronicle, 2002), THIN (Chronicle, 2006), Generation Wealth (Phaidon, 2017) und The Queen of Versailles: An American Allegory (Lannoo, Oktober 2026).
Greenfields Fotos befinden sich in den Sammlungen renommierter Museen, darunter das J. Paul Getty Museum, das Los Angeles County Museum of Art, das San Francisco Museum of Modern Art, das Art Institute of Chicago, die National Gallery of Art, die Smithsonian National Portrait Gallery, das Museum of Fine Arts Houston, das International Center of Photography und die Harvard Art Museums.
Neben ihrer Arbeit als Fotografin und Filmemacherin hat Greenfield auch preisgekrönte Werbekampagnen inszeniert. Die Kampagne „#LikeAGirl“ für Always gewann den Film-Grand-Prix bei den Cannes Lions und einen Emmy für die beste Werbung. Damit ist Greenfield die erste Frau, die Ad Age als „meistausgezeichnete Regisseurin“ nannte. Ihr meistgesehener Film, The Queen of Versailles, inspirierte kürzlich ein Broadway-Musical und ist Thema ihres neuesten Buches The Queen of Versailles: An American Allegory (Lannoo, Oktober 2026). Es untersucht die Geschichte eines Milliardärspaars, das Amerikas größtes Haus baute als Prolog zur Trump-Ära.
Ausstellungsimpressum
Alle Werke in Social Studies stammen von Lauren Greenfield, die auch alle Interviews geführt hat. Die Filmszenen stammen aus ihrer Dokuserie Social Studies (FX/Disney+), die in der letzten Raum dieser Ausstellung gezeigt wird. Die fotografischen Typologien und die neuen Videoarbeiten mit dem Titel Trend Studies umfassen Social-Media-Inhalte, die zwischen 2021 und 2026 gesammelt wurden.
Diese Ausstellung wurde von Lauren Greenfield zusammen mit Trudy Wilner Stack kuratiert, in Zusammenarbeit mit Jessica Jarl, Global Director of Exhibitions Fotografiska, und Thomas Schäfer, Director of Exhibitions Fotografiska Berlin.
Fotografie, Kamerabild, Interviews und Gruppensitzungen fanden zwischen 2021 und 2023 statt und konzentrierten sich auf das Schuljahr 2021–22. An dem Projekt nahmen 30 Jugendliche von zehn öffentlichen und privaten weiterführenden Schulen in Los Angeles teil. Es begann mit ihrer Rückkehr in die Schule nach der COVID-19-Lockdowns – eine Zeit, – eine Zeit, in der sie vermehrt auf sozialen Medien aktiv waren und durch die Bildschirmzeit weniger Zeit in der realen Welt verbrachten.
Die Fotos wurden mit Canon-Kameras aufgenommen und sind eine Leihgabe der Künstlerin und der Fahey/Klein Gallery, Los Angeles. Die Archiv-Pigmentdrucke wurden 2025 und 2026 von Richard Maier unter der Aufsicht der Künstlerin angefertigt.
Opening Party: Lauren Greenfield – Social Studies
Feier mit uns im Fotografiska Berlin die Eröffnung von Lauren Greenfields Social Studies: Triff die Künstlerin und tanze bei der Party – hosted by Closefriends.
MEHR INFOSKostenloser Ausstellungsbesuch „Lauren Greenfield: Social Studies“
Für Schulklassen und soziale Einrichtungen
AnmeldenSocial Media demokratisch neu denken
Jugendliche gestalten mit dem Education Innovation Lab, dem Adenauer Campus und Fotografiska Berlin ein digitales Lernformat. Ein Teil davon sind partizipative Workshops, bei denen junge Menschen in Ruhe über ihre Erfahrungen mit Social Media zu reden.
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