Roger Ballen
roger ballen.! drawing meets photography

„Eine Fotografie kann bestätigen, was wir intuitiv verstehen, aber nicht in Worte fassen können. Meiner Meinung nach sind die besten Bilder diejenigen, für die uns die Worte fehlen.“ – Roger Ballen
Mit roger ballen.! drawing meets photography zeigen wir das Werk eines der einflussreichsten Fotokünstler der Gegenwart. Roger Ballen, der seit 1982 in Südafrika lebt und arbeitet, verbindet Fotografie mit Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation und Film. Besonders die Zeichnung hat seine Arbeit seit den späten 1990er-Jahren verändert: Die Linie tritt zunehmend in den Vordergrund seiner fotografischen Bildsprache. Gezeichnete Gesichter, Tiere und mehrdeutige Formen erscheinen neben Drähten, grafischen Markierungen und anderen grafischen Elementen in seinen Fotografien, auf übermalten Polaroids und großformatigen Zeichnungen.

Die Ausstellung zeigt mehr als 120 Arbeiten aus den Jahren 1998 bis 2025 und führt durch zentrale Werkgruppen wie Outland, Shadow Chamber, Boarding House, Asylum of the Birds und Roger’s Rats. Zu sehen ist außerdem Spirits and Spaces, Roger Ballens erste Werkserie, in der er intensiv mit Farbe arbeitet. In diesen Serien werden Innenräume, Tiere, Körperfragmente, Puppenteile, Zeichnungen und Objekte zu Akteuren eines eigensinnigen visuellen Theaters. Seine Nähe zur Art Brut prägt Roger Ballens Werk ebenso wie sein Interesse am Unbewussten. Abseits akademischer Konventionen entwickelte er eine eigenständige Bildsprache, die weltweit als „Ballenesque“ bekannt ist.


Besonders deutlich wird die Verbindung von Zeichnung und Fotografie in The Theatre of Apparitions. Gemeinsam mit Marguerite Rossouw schuf Roger Ballen geisterhafte Figuren und Szenen durch Experimente mit Farbe, Epoxidharz und fotografischen Emulsionen auf Glasscheiben. Ausgangspunkt waren Figuren, die Ballen eingeritzt in die übermalten Fenster eines verlassenen Frauengefängnisses entdeckte. Die entstandenen Bilder existierten nur für kurze Zeit und wurden erst durch den Akt des Fotografierens bewahrt. Mit der Skulptur Drawing Man verlässt diese zeichnerische Welt schließlich das fotografische Bild und wird selbst zum Bestandteil des Raumes.
Über fünf Jahrzehnte hinweg hat Roger Ballen ein Werk geschaffen, das die verborgenen Bereiche der menschlichen Psyche erforscht, in denen Vertrautes und Fremdes, Ordnung und Unordnung sowie Bewusstes und Unbewusstes aufeinandertreffen. Bei Fotografiska Berlin wird diese visuelle Welt auf besondere Weise erlebbar: Ein Screening-Raum, Fundobjekte und skulpturale Interventionen strukturieren die Ausstellung, während eine ortsspezifische Installation den Ausstellungsraum mit dem Loft verbindet.
ÜBER DEN KÜNSTLER
Roger Ballen wurde 1950 in New York geboren. Nachdem er Anfang der 1980er-Jahre nach Südafrika kam, begann er während ausgedehnter Reisen zu fotografieren und richtete seinen Blick später auf die Orte und Menschen, denen er im ländlichen Südafrika begegnete. Nach und nach traten Straßenszenen in den Hintergrund, während häusliche Innenräume zunehmend in den Fokus rückten. Wände, Gegenstände, Drähte und grafische Markierungen wurden dabei zu immer wichtigeren Bestandteilen seiner Fotografien. In den 1990er-Jahren prägte er den Begriff „dokumentarische Fiktion“, um eine Bildsprache zu beschreiben, die zwischen Dokumentation und Inszenierung oszilliert.
Nach der Jahrtausendwende wurden seine Fotografien zunehmend komplexer und psychologischer. Menschliche Figuren teilten sich den Bildraum nun mit Tieren, Zeichnungen, Objekten und Fragmenten des Körpers. Im Laufe der Jahre erweiterte Roger Ballen sein künstlerisches Spektrum und arbeitete verstärkt mit Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation und Fotografie. Menschliche Figuren wichen dabei zunehmend Puppenteilen, Masken, Objekten, Zeichnungen und Tieren.
Auch dem Film wandte sich Roger Ballen zu. 2012 realisierte er das Musikvideo I Fink You Freeky für die südafrikanische Band Die Antwoord. Seine Werke befinden sich heute in öffentlichen Sammlungen weltweit, darunter das Museum of Modern Art in New York, das Centre Pompidou in Paris, das Victoria and Albert Museum in London sowie das Stedelijk Museum in Amsterdam.
AUSSTELLUNGSIMPRESSUM
Diese Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem museum gugging und wurde von Nina Ansperger, künstlerisch-wissenschaftliche Leiterin, museum gugging, kuratiert und von Marie-Luise Mayer, Exhibitions Manager, Fotografiska Berlin, in Kollaboration mit dem Künstler co-kuratiert.
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